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Pressemitteilung des Bundesvorstands zur Lage in Palästina

05. Aug 2026

Bundesregierung trägt Mitverantwortung für Vertreibung, Tote und Verletzte in Palästina Diese Pressemeldung ist lang. Entgegen journalistischen Kriterien haben wir uns entschieden, sie so herauszugeben, weil sie viele Hintergrundinformationen zur bedrückenden Lage in Israel-Palästina beschreibt, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

Der Bundesvorstand der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi fordert die Bundesregierung auf, gegenüber der israelischen Regierung endlich Wirksames zur Beendigung der Gewalt gegenüber der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland, in Ostjerusalem und im Gaza-Streifen zu unternehmen und die Europäische Union in ihren Bestrebungen dazu nicht weiter zu blockieren. Sonst trägt sie eine schwere Mitverantwortung für jede weitere Vertreibung und jeden weiteren Toten und Verletzten. pax christi schließt sich dem dringenden Appell der israelischen Menschenrechtsorganisation B’tselem an die internationale Gemeinschaft an, „unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Gewalt Israels zu beenden und Pogrome durch Siedlermilizen und die israelische Armee im gesamten Westjordanland zu verhindern!“

Die Bundesregierung steht in einer besonderen Verantwortung. Sie kann selber und auf EU-Ebene dazu beitragen, dass die israelische Regierung innehält und sich Wege zum Frieden und zu einer Zukunft in Gerechtigkeit für die Palästinenser und Israelis auftun durch z.B.:

-          Ende der Vorzugsbehandlung Israels durch das Einfrieren des EU-Israel-Assoziierungsabkommens

-          Verbot von Importen und Dienstleistungen aus den israelischen Siedlungen

-          Keine Geschäfte mit und in Siedlungen

-          Stopp aller Waffenlieferungen, die unter Verletzung von Menschenrechten und humanitärem Völkerrecht eingesetzt werden könnten, Aussetzung der militärischen Kooperation mit Israel

-          Unterstützung der Strafverfolgung der Täter in Regierung, Armee, Siedlergesellschaft durch den Internationalen Strafgerichtshof

-          Unterstützung der Anklage gegen Israel beim Internationalen Gerichtshof

Ein Mitglied der pax christi Nahost-Kommission ist seit April dieses Jahres als „virtueller ökumenischer Begleiter“ im südlichen Westjordanland unterwegs. Die Berichte sind erschütternd.

Radikale Siedlergruppen von bis zu 40 Personen, fast ausschließlich junge Männer, überfallen mit Schusswaffen und Eisenstangen, Einzelhöfe, Weiler, Dörfer. Die Überfälle werden durch die israelische Besatzungsarmee und oder bewaffnete Siedlermilizen abgesichert. Milizen und Armee sind von der israelischen Regierung mit Waffen, Geländefahrzeugen und Uniformen ausgestattet. Das Vieh der Bauern wird entwendet oder getötet, Olivenhaine und Obstgärten zerstört, reifende Getreidefelder niedergewalzt, Brände gelegt.

Kaum ein Viehhalter ist noch in der Lage seine Tiere auf die Weide zu schicken, Sie werden offen mit dem Tode bedroht: „Entweder du verlässt das Land oder wir erschießen dich“ so Bauer Achmad* aus Amnir, südlich von Yatta.

 

 

 

Hintergrundinformationen

Die Lage in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten hat eine weitere Eskalationsstufe erreicht. Nicht nur, dass das Leben der Menschen im Gaza-Streifen schier unerträglich ist. Im Westjordanland hat die Gewalt von zionistischen Siedlern, der israelischen Besatzungsarmee und der israelischen Grenzpolizei eine neue Dimension erreicht. Beim Angriff von Siedlern und Armee auf das Dorf Tall süd-westlich von Nablus haben vier palästinensische Dorfbewohner einer Familie und zwei radikale Siedler aus der Siedlung Havat Gilat ihr Leben verloren, viele Dorfbewohner wurden verletzt. Dieses Dorf liegt zum Teil im sogenannten A Gebiet, was unter voller palästinensischer Verwaltung steht. 

Vorzugsweise bei Nacht versuchen Siedler in die Gehöfte einzudringen und Vieh zu stehlen oder werfen mit Steinen die Fenster der Gehöfte ein, um Tränengas oder Brandsätze hineinzuwerfen.

Ergänzt wird dieser Terror durch intensives Beweiden der Weinberge, Getreidefelder und Olivenhaine durch Viehherden der Siedler. Diese umfassen Rinderherden von bis zu 30 Köpfen und Schafherden mit 200 Tieren. Nach Aussage der Bauern handelt es sich um gestohlenes Vieh.

Dies sind keine Einzeltaten, sondern Gewaltvorfälle, die sich nahezu jeden Tag und jede Nacht wiederholen. Es vergeht kaum ein virtueller Besuch, so unser Kollege, bei dem die von unserem Mitglied besuchte Gastfamilie nicht von einem Gewaltvorgang in den letzten 24 Stunden berichten muss. Die Menschen sind erschöpft, verzweifelt, wirtschaftlich am Ende und traumatisiert.  Begleitet wird diese flächendeckende und permanente Gewalt durch die Hauszerstörungen der israelischen Armee, die sich scheinbar planlos über die Region erstrecken und weitere Angst schüren: „Wann sind wir dran?“ fragen sich die Menschen.

Die Siedler entwickeln immer neue Wege, um die Menschen zu erniedrigen, und zu provozieren. So baden die Siedler eines neuen Außenpostens am Rande von Khallet Al Homs, südwestlich von Yatta, täglich nackt in der Trinkwasserzisterne des Dorfes – einem tief religiösen muslimischen Dorf.

Perfide ist auch, wie versucht wird, einen Anlass zu finden, um gegen die Palästinenser als „Terroristen“ vorgehen zu können.  So beobachtete und filmte am 29. Juni 2026 der Bauer Ibrahim* in Ar Rakeez, wie Soldaten nachts auf seinem Grundstück in einer Felsspalte Waffen versteckten. Geistesgegenwärtig leitete er die Aufnahme an die einschlägigen Sozialen Medien weiter. Der Fall wurde publik, ein Journalist wurde tätig und die Armee entfernte die Waffen wieder. Die Soldaten hatten mit Hilfe von abgeschossenen Schallgranaten noch versucht, Ibrahim vom Filmen abzuhalten.

Ergänzt wird der Terror durch unzählige Straßensperren und Abriegelungen entweder durch die Armee oder durch Siedler.

Zudem gibt es die vielen Außenposten der Siedlungen, die zum Teil direkt neben den palästinensischen Dörfern oder wie im Falle des Beduinendorfes Umm Al Khair mitten im Dorf errichtet werden. Das Dorfleben bricht zusammen, der Terror der Siedler ist seitdem ein permanenter. Den Kindern wird der Weg zur Schule verwehrt, die Wasserversorgung wird gekappt, ebenso die Stromversorgung.

Sollten nicht Sofortmaßnahmen ergriffen werden, die die israelische Regierung zur Umkehr bewegen, wird die ethnische Säuberung des Westjordanlands ihr Endstadium erreichen, die Palästinenser haben keine Daseinsmöglichkeit mehr.

Mehr Unmenschlichkeit kann man sich kaum vorstellen, die erschütternden Gespräche mit den Menschen in den South Hebron Hills sind oft kaum auszuhalten, sagt unser Mitglied. Wie geht es erst den Bewohnern, was macht es mit den Kindern, mit den Jugendlichen, die tagtäglich (und nächtlich) brutalste Gewalt erleben.

·       Namen geändert, sind unserem Mitglied bekannt, das die bezeichneten Vorfälle durch die Gespräche mit den Betroffenen kennt.